Wir haben unseren Geruchssinn so verinnerlicht, dass wir ihn oft für selbstverständlich erachten. Wir riechen an Lebens-mitteln, um zu prüfen wie Reif sie sind, ob sie bereits schlecht geworden sind, um uns an frischen Blumen zu erfreuen, um beim Nachhause kommen zu erfahren, was es zu Essen geben wird, oder um alte Kindheitserinnerungen wieder aufleben zu lassen.

Dabei musste unser Geruchssinn auch erst lernen, sich zu bilden und die verschiedenen Gerüche auseinander zu halten.

Wusstet ihr, dass der Mensch zwischen 10 und 30 Millionen Riechzellen besitzt und circa 1 Billionen Düfte unterscheiden kann? Dadurch sind wir in der Lage durch das Riechen Reize aus der Umwelt wahrzunehmen und uns ebenso vor Gefahren zu schützen. Denn auch das Riechorgan arbeitet eng mit dem Gehirn zusammen und dient als Weckzentrum bei gefährlichen Stoffen.[1]

 

Der Geruchssinn kann ein Leben lang trainiert werden. Wir können also durch Training unsere Nase bezüglich Quantität und Qualität von verschiedenen Gerüchen verbessern. Wir nehmen die Düfte wahr und im Gehirn werde diese zu verschiedenen Kategorien zugeordnet („Kaffee“, „Kloß mit Soße“). Dabei wird zuerst der Duft an sich erkannt und danach die Duft-Qualität (riecht er faulig, sauer etc.). Wenn wir einen Duft bereits kennen, nehmen wir diesen auch schneller wahr als unbekannt Düfte.[2]

 

Doch wie heißt es so schön: „use it or lose it“. Wenn wir unser Riechorgan nicht weiter trainieren, können wir Düfte auch wieder verlernen.[3]

 

Die gute Nachricht: beim Riechen kommt es nur aufs Riechen an. Klingt einfach, ist auch so, da es wie die anderen Sinne (Hören, Sehen, Schmecken und Tasten) durch einfache wiederholende Übungen trainiert werden kann.[4]

 

Ebenso sind unsere Riechbahnen mit unserem Gehirn verknüpft, sodass wir gewissen Düfte mit Emotionen und Erinnerungen verbinden. Gerüche können uns also in eine bestimmte Stimmung leiten. 

 

Interessant ist auch, dass Kinder bereits während der Schwangerschaft für gewisse Düfte sensibilisiert werden können, wenn die Mutter diese konsumiert. Neugeborene können sich nach der Geburt an diese Gerüche erinnern und empfinden diese als angenehm. So kann bereits in frühen Entwicklungsphasen die eigene Mutter dem Kind „etwas auf die Nase binden“.[5] Ebenso den Geruch von Fruchtwasser erkennen die Kleinen wieder. Bedenkt man, dass der Talg der Brustwarze beim Stillen diesem ähnlich ist, prägt das die Mutter-Kind-Beziehung positiv. Da das Stillen für viele zur täglichen Aufgabe mit einem Neugeborenen gehört, bildet der Körpergeruch der Mutter somit auch den stärksten olfaktorischen Sinneseindruck in den ersten Lebenswochen.[6]

 

Im Folgenden seht ihr einige zeitliche Entwicklungsstufen des Geruchssinns:

(Schwangerschaftswoche - SSW)

5. SSW:

Entstehung des Organs an sich:
Ektoderm-Verdichtungen (bilden später die Nasenhöhle) auf der Stirnwulst zeichnen sich ab

 

11.-12. SSW:

 olfaktorisches System (Geruchssinn) ist vollends funktionstüchtig

 

→ In diesen Wochen bilden sich die organischen Strukturen der Nase

 

26. SSW

 Ungeborenes hat gleiches “Nasengewebe” wie Erwachsener

 

28. SSW

Bildung von olfaktorischem Markerprotein (Eiweiß, welches nur in reifen olfaktorischen Nervenzellen produziert)

 → Hinweis darauf, dass Riechnerven bereits ausgebildet sind

 

32. SSW

Markerprotein ist auch im Gehirn vorhanden

In diesen Wochen entwickeln sich die “Riech-”Nerven, die für die Sinneswahrnehmung wichtig sind.

Die Funktion des Riechens ist vor der Geburt also vollständig ausgebildet.

 

ab dem dritten Tag nach der Geburt:

Kinder mit drei Tagen können „Vanille“ (positiver Gesichtsausdruck) und „Buttersäure“ (negativer Gesichtsausdruck) einordnen. Die Unterscheidung zwischen „gut“ oder „schlecht“ ist also schon nach der Geburt vorhanden.

 

3-5 Jahre:
Mit zunehmenden Alter und der besseren Kommunikationsfähigkeit besteht die Fähigkeit sich auch verbal für oder gegen einen Duft auszusprechen. Anfangs werden Umschreibungen, wie „es riecht wie beim Arzt“, „es riecht nach Omas Haus“ verwendet. Später nimmt auch die direkte klare Benennung von Düften (Bilder und Wörter werden miteinander verknüpft) vermehrt zu.[1]

 

In diesem Zusammenhang noch ein paar Redewendungen

 

     jemandem etwas auf die Nase binden

      auf die Nase fallen

     mir stinkt´s

     die Nase rümpfen

      den Braten riechen

     eine Nasenlänge voraus sein  der Nase nach gehen

     ich kann dich nicht riechen/ jemanden gut riechen können

     die Nase rümpfen

     das stinkt bis zum Himmel

     die Nase gestrichen voll haben

       hochnäsig sein

Jede Nase sieht unterschiedlich aus. Und es scheint fast so, als würde die Nase im Alter weiter wachsen. Das stimmt jedoch nicht ganz, es verändert sich lediglich die Bindegewebs Straffheit. In Kombination mit der Schwerkraft verändert sich lediglich die Form der Nase, sie wird breiter und wirkt deshalb größer.[2]

Die Nase verhält sich im Alter also nicht ganz so wie bei Pinocchio, wenn er lügt.

Sinnesanregungen: 

„Die Nase anschauen“Alter: ab 4 Jahren (Material: Spiel, Zeitumfang: ca. 10 Minuten)

 

Um das Spiel zu starten und die Kinder mit in das Spiel einzubinden, können verschiedene Starter gewählt werden. Eine Möglichkeit wäre es, ein verwirrtes „was hab ich denn da?“ zu rufen, während du dir selbst an die Nase fasst. Die Kinder werden aller Wahrscheinlichkeit kichernd rufen, dass das deine Nase ist, du musst dann nur solange ermutigen und verwirrt tun, bis ihr gemeinsam zum Spiegel geht.

Eine andere Variante wäre es, dem Kind „die Nase zu stehlen“ und erst vor dem Spiegel wieder ins Gesicht zu setzen. So kann das Kind beruhigt sein, dass die Nase noch da ist und ihr könnt mit dem Spiel beginnen.

Vor dem Spiegel kannst du die Kinder dazu ermutigen, sich selbst an die Nase zu fassen und die verschiedenen Bereiche abzutasten, die die Nase so ausmacht. Nach und nach können die Kinder dann herausfinden wie die einzelnen Bereiche der Nase genau heißen.

     Nasenspitze

     Nasenflügel

     Nasenlöcher

     Nasenrücken

     Nasenwurzel

     Nasenscheidewand

Um die verschiedenen regionalen Unterschiede mit einzubinden, können die Begriffe mit den Dialekten benannt werden. So kann eine Nase auch die Hakennase, die Adlersnase, der Riecher, Rüssel oder die Knolle sein. Lassen sie die Kinder dabei auch kreativ werden!

Je nach Aufmerksamkeitsspanne der Kinder kann hier das Spiel beendet werden, oder es kann weiter die Nase erkundet werden. [1]

Die sieben Geruchs-Gruppen (Spiel, um das Erkennen der Haupt-Geruchs-Gruppen zu üben), Alter: ab 5 Jahren, Zeitumfang: 10 Minuten

Material: 7 Dosen mit luftdichtem Deckel. Mottenkugeln, Engelwurz (Kraut oder Flüssigkeit aus der Apotheke), eine duftende Rose (oder Rosenöl), Minze (frisch, getrocknet oder als Öl), Putzmittel (es sollte nicht künstlich nach Zitrone, Himbeere etc. riechen), Weinessig, ein faules Ei, Wattebäusche, 7 Karteikarten.

Wie bereits in den Infoposts beschrieben, können wir Menschen viele, tausende Gerüche erkennen. Diese lassen sich jedoch in 7 Basisrichtungen unterscheiden, die durch die oben genannten Zutaten abgebildet werden.

Bevor das Spiel losgeht, müssen die Duftdosen vorbereitet werden. Fülle dafür alle Zutaten in jeweils einen eigenen, geschlossenen Behälter. Achte bei den Ölen darauf nur ein paar Tropfen auf die Wattebäusche zu geben, damit diese nicht zu intensiv riechen. Die frischen Zutaten wie Minze oder die Rose kannst du vorher einmal mit flacher Hand schlagen, damit die ätherischen Öle freigesetzt werden und somit intensiver riechen. Lass die Dosen nun ein wenig stehen, damit der Duft sich in der Dose ausbreiten kann. Das Ei kannst du ein paar Wochen vorher in den Behälter schlagen und so schlecht werden lassen. Du solltest aber alle paar Tage eine Riechprobe machen, um den richtigen Zeitpunkt abzupassen.

Stell jetzt die Dosen den Kindern bereit und lass sie alle Riechproben nehmen. Wer riecht, sollte nur kurz den Deckel öffnen, die Dose unter der Nase halten, riechen und die Dose wieder verschließen. Das sollte nicht allzu lange dauern, damit der Duft aus der Dose nicht verfliegt.

Während der verschiedenen Proben werden die Kinder verschiedene Reaktionen zeigen, die später gemeinsam mit dir zu den passenden Worten zugeordnet werden. Nach der Geruchsrunde kannst du nun die Kinder fragen wie sie die verschiedenen Gerüche empfunden haben und was sie damit evtl. auch verbinden. Dann können die Gerüche den verschiedenen Geruchssorten zugeordnet werden und wenn die Kinder möchten, können sie mit dem Wissen im Hinterkopf nochmal an den Dosen riechen.

     Mottenkugel – kampferähnlich

     Engelwurz – moschusartig

     Rosenduft – blumenduftartig

     Minze – mentholartig

     Reinigungsmittel – ätherisch

     Weinessig – beißend

     Faules Ei – faul[2]

 



[1] Vgl. Walter, G. Heinlein, K. 2011. Kinder entdecken ihre 7 Sinne. Chemielabor mit Staubfilter.  Bd. 1. Ökotopia S. 91

 

[2] Vgl. Walter, G. Heinlein, K. 2011. Kinder entdecken ihre 7 Sinne. Chemielabor mit Staubfilter.  Bd. 1. Ökotopia S. 100

 



[1]Vgl. Petters, W. (2016). Riechtraining mit Kindern. Technische Universität Dresden, Dresden. S.12 ff.

[2] Vgl. Klöckner, L. (2019). Wachsen Ohren und Nase auch im Alter? URL: https://www.n-tv.de/wissen/frageantwort/Wachsen-Ohren-und-Nasen-auch-im-Alter-article20874426.html abgerufen am: 23.11.2020.



[1] Vgl. Petters, W. (2016). Riechtraining mit Kindern. Technische Universität Dresden, Dresden. S.3-6.

[2] Vgl. Petters, W. (2016). Riechtraining mit Kindern. Technische Universität Dresden, Dresden. S.10 f.

[3] Vgl. Petters, W. (2016). Riechtraining mit Kindern. Technische Universität Dresden, Dresden. S.9.

[4]Vgl.  Petters, W. (2016). Riechtraining mit Kindern. Technische Universität Dresden, Dresden. S.9.

[5]Vgl.  Petters, W. (2016). Riechtraining mit Kindern. Technische Universität Dresden, Dresden. S.7.

[6]Vgl.  Petters, W. (2016). Riechtraining mit Kindern. Technische Universität Dresden, Dresden. S.13.